Sich organisieren, um den Kapitalismus zu stürzen – Das Sommercamp 2010 in Italien
Gern behaupten auch „befreundete Organisationen“ hierzulande, die 1938 gegründete IV. Internationale sei tot, marode, in Auflösung begriffen oder nicht existent. Doch von den vergleichbaren revolutionär-marxistischen Welt-Verbänden ist die IV. Internationale, der auch der RSB angehört, nicht nur der politisch Wirkmächtigste, sondern vor allem der Einzige, dessen Jugend alljährlich ein internationales Sommercamp organisiert. Das diesjährige Camp fand – quicklebendig – Ende Juli in Perugia (Italien) statt.
Mit etwa 450 TeilnehmerInnen lag die Beteiligung etwa auf dem Niveau der Vorjahre, jedoch unter den Erwartungen. Neben den traditionell großen Delegationen aus Frankreich (Nouveau Parti Anticapitaliste), dem spanischen Staat (Izquierda Anticapitalista) und Italien selbst (Sinistra Critica), war aber die kleine deutsche Sektion erstmalig seit einigen Jahren mit einer Delegation von etwa 25 Menschen präsent. Die meisten der TeilnehmerInnen aus der BRD erlebten zum ersten Mal eine andere politische Kultur als die bekannte „einheimische“.
Internationale Solidarität
Auf dem Camp bot sich die Gelegenheit, mit GenossInnen von Solidarity (USA), der Revolutionären ArbeiterInnenpartei Mindanao (RPMM, Philippinen), dem Komitee zur Gründung einer sozialistischen ArbeiterInnenpartei (CSWP, Südkorea), der Rot-Grünen Einheitsliste (Dänemark), der Polnischen ArbeiterInnenpartei (PPP), OKDE-Spartakos (Griechenland) und anderen „live“ Erfahrungen auszutauschen – sie sind Sektionen der IV. Internationale oder sympathisierende Organisationen. Besonders für den kleinen RSB, der zum linken Flügel des relativ weiten Spektrums der „Vierten“ gehört, ist das selbstverwaltete Jugend-Camp ein wichtiger Ort um die kritische Diskussion mit anderen zu suchen.
Programm
Das Thema Ökologie stand ebenso auf dem Programm wie Feminismus und Fragen der Gender-Identität. Ein Referat eines Genossen der niederländischen Sektion etwa behandelte hierzu die Geschichte der LesBiSchwulen Bewegung und der „Queer-Theory“ bis hin zu Judith Butler. Wie Foucault schildert, waren, als in der frühen Neuzeit in Florenz Homosexualität erstmalig ein juristischer Straftat-Bestand wurde, gleich zwei Drittel der männlichen Bevölkerung dieses „Verbrechens“ verdächtig. Gleichzeitig wurde die Begrenztheit eines Ansatzes erörtert, der die „Staatsmacht“ als abstraktes Wesen behandelt. An weiteren Tagen wurde über antikapitalistische Parteien, Islamophobie und den Bildungsstreik debattiert. Auch Bar und Disco sollen gut besucht gewesen sein.
Wiedersehen
Der Klimawandel zeigte sich, als in den letzten Tagen des Camps anhaltender Stark-Regen an den Kräften zehrte. Die deutschsprachige Delegation (BRD und Österreich) wirkte dem mit frischen Heißgetränken und veganen Aufstrichen vom Camping-Kocher entgegen. Im nächsten Jahr sollten wir uns vermehrt anstrengen, auch GenossInnen anderer Organisationen der deutschen Linken für das Camp zu erreichen.
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Aufruf zum Camp 2010 in Italien
Auf nach Perugia!
Die Heimat der IV. Internationale reicht heute von Venezuela bis zu den Philippinen. Vom 24. bis zum 30. Juli ist sie in Perugia, Italien.
Hier findet in diesem Jahr das Sommercamp der IV. Internationale statt. Die TeilnehmerInnen erwartet ein Riesen-Angebot an internationalem Austausch, Informationen, Feiern. Das Sommercamp ist selbstverwaltet, keine Selbstverständlichkeit für eine internationale Veranstaltung dieser Größe. Die Selbst-Organisation der jungen GenossInnen – zumindest der europäischen Sektionen – findet im jährlichen Vorbereitungstreffen in Amsterdam ihren Ausdruck. Und bereits dieses Treffen ist ein internationalistisches Event.
Viele Länder – ein Kampf
Auf der Konferenz war zu erfahren, dass die kleine niederländische Sektion nur wenige jüngere GenossInnen in ihren Reihen zählt, während diese bei OKDE-Spartakos (Griechenland) die Hälfte der Mitgliedschaft ausmachen. Während der portugiesische Linksblock, in dem die GenossInnen der IV. mitarbeiten, bereits so stark ist, dass er die gesellschaftlichen Verhältnisse beeinflussen kann, leidet die französische NPA derzeit an eher schlechten Wahlergebnissen. Die GenossInnen von Sinistra Critica, die als Partei insgesamt der IV. Internationale nahe steht, beklagten, dass zwar der eher moralische „anti-berlusconismo“ verbreitet sei, jedoch eine Vernetzung der sozialen Kämpfe in Italien fehle. Die griechischen GenossInnen bezeichneten die aktuelle Situation in ihrem Land als „offenen Krieg“ zwischen den Klassen und die GenossInnen aus dem spanischen Staat berichteten über lokale Generalstreiks in Andalusien.
Diskussionen
Die Jugend der IV. Internationale diskutierte die Ergebnisse des Weltkongresses und ebenso die Rolle der Familie – der jugend- und sexualitäts-unterdrückenden Institution, die die Keimzelle der bürgerlichen Gesellschaft ausmacht. Doch letztlich musste das Camp selbst geplant werden, für das die italienischen GenossInnen Sorge tragen. Mit etwa 600 TeilnehmerInnen ist wohl zu rechnen, da allein die NPA mindestens 200 bis 250 Delegierte entsenden will. Der Preis, der nach Ländern gestaffelt ist, wird für TeilnehmerInnen aus der BRD 135 € betragen.
Programm
Hauptgegenstand war jedoch das inhaltliche Programm: An sechs Thementagen werden auf den Gebieten Ökologie, Krise und Internationalismus, Frauenbefreiung, LGBIT, Antirassismus und soziale Kämpfe und revolutionäre Strategie etwa 60 Workshops und Dutzende Vorträge angeboten, zu Themen wie „Iranische Revolte“, „Chinas neue ökonomische Rolle“, „Atomare Gefahr“, „Die Wurzeln sexueller Unterdrückung“, „Jugendrevolte in Griechenland“ und „Ein Übergangsprogramm für das 21. Jahrhundert“; dazu tägliche Aktivitäten der Frauen- und LGBIT-Freiräume, tägliche Workshops zum Bildungsstreik, zu Lateinamerika und zum kommenden Anti-NATO-Gipfel in Lissabon (November 2010). Auch praxisorientierte Aktions-Seminare u. a. zu zivilem Ungehorsam und Selbstverteidigung für Frauen sind geplant.