Sismos, Sismos, Kommunismos – Das Sommercamp 2009 in Griechenland
Sismos, Sismos – Kommunismos (Erdbeben – Kommunismus) – eine Parole, die wohl den meisten TeilnehmerInnen des diesjährigen Camps der IV. Internationale noch lange in den Ohren klingen wird. Vom 25. bis zum 31. Juli kamen knapp 500 Jugendliche aus über 22 Ländern zum 26. Sommercamp der IV. Internationale zusammen.
Im Unterschied zu den Ländern, in denen das Camp in den letzten Jahren stattgefunden hat, wie Italien, Frankreich oder dem Spanische Staat, gibt es in Griechenland nur eine relativ kleine Sektion der IV. Internationale. Diese Organisation mit dem Namen OKDE-Spartakos organisierte das Camp zusammen mit Kokkino (zu deutsch „Rot“), einer mit der IV. Internationale befreundeten, ebenfalls linksradikalen griechischen Organisation. Beide Organisationen haben in den letzten Jahren zahlreiche gemeinsame Kämpfe geführt und so entwickelte sich die Idee, auch gemeinsam das Camp in Griechenland vorzubereiten.
Aufgrund der geographischen Nähe war es dieses Mal auch Menschen aus Osteuropa möglich, an einem Camp der IV. Internationale teilzunehmen. In den vergangenen Jahren verhinderten die enormen Reisekosten oft eine solche Teilnahme. Durch geringere Fahrtkosten und einen für sie reduzierten Teilnahmebeitrag in diesem Jahr beteiligten sich u.a. GenossInnen aus Kroatien, Polen Russland und Weißrussland.
Diskussion zu Sexismus und Homophobie
Inhaltlich waren diesmal der Tag zu „Frauen in der Krise“ und der Tag zu „Sexueller Unterdrückung und Gender-Fragen“ von besonderer Bedeutung. Noch stärker als in anderen Ländern haben die GenossInnen aus Griechenland gegen einen weit verbreiteten Sexismus nicht nur in der bürgerlichen Gesellschaft, sondern auch in der radikalen Linken zu kämpfen. So berichteten sie u.a. davon, dass es auf linken Demonstrationen durchaus üblich ist, dass Linke die Polizei in Sprechchören mit weiblichen Geschlechtsteilen beleidigen. Homophobes, sexistisches Verhalten auf Demonstrationen und in linken Organisationen ist aber nicht nur in Griechenland stark verbreitet. So drehten sich viele Diskussionen auf dem Camp auch darum, wie dem in den jeweiligen Ländern entgegen zu treten ist.
Viele auf dem Camp geführte Diskussionen sollen nun weitergeführt werden. Auch einige konkrete Absprachen zwecks gemeinsamer Mobilisierung z.B. nach Kopenhagen im Dezember wurden getroffen. Anlässlich des Weltklimagipfels wird es eine breite internationale Mobilisierung geben, zu der die GenossInnen aus Dänemark eingeladen haben.
Bis zum nächsten Camp, das in Italien stattfinden wird, gibt es also noch genügend Möglichkeiten auf internationaler Ebene zu diskutieren und gemeinsam zu kämpfen.
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Bericht vom Camp 2009 in Griechenland – geschrieben von GenossInnen der BFS (Schweiz)
26. Sozialistisches Sommercamp
Vom 25. – 31. Juli trafen sich über 500 junge Aktivistinnen und Aktivisten aus zahlreichen Ländern im Sozialistischen Sommercamp der IV. Internationalen. Eine Woche antikapitalistischer Freiraum in Molossi (Griechenland).
Anfangs Juni wäre es noch unmöglich gewesen, sein Zelt auf dem Campgelände aufzustellen. Über sechs Wochen reinigten die griechischen GenossInnen den Ort von Schlangen und Skorpionen und installierten sanitäre Anlagen. Aber nicht nur die Situation auf dem Gelände, sondern die des ganzen Landes war einer der Schwerpunkte des diesjährigen Camps.
Politische Lage in Griechenland
Im Zuge der Jugendrevolte im letzten Dezember fingen verschiedene Teile der Gesellschaft an, sich aufzulehnen: Schüler-Innen und StudentInnen besetzten ihre Schulen bzw. Universitäten, Lohnabhängige mobilisierten sich und MigrantInnen setzten sich verstärkt für ihre Rechte ein. Die Frage stellte sich, was davon geblieben ist.
Objektiv wurde festgestellt, dass der Staats- und Regierungsapparat sowie die extreme Rechte gestärkt aus den Auseinandersetzungen hervorgegangen sind. Viele GriechInnen unterstützten den Ruf der rechtsextremen Partei LAOS nach Ruhe und Sicherheit und gaben ihnen bei den Europawahlen im Juni 7.15% der Stimmen. Die Regierung ihrerseits konnte die Ausschreitungen im Dezember als Vorwand nehmen, um die Repression gegen die durch die Wirtschaftskrise zunehmenden sozialen Bewegungen zu verstärken und die „Ordnung“ im Land wiederherzustellen.
Um genau diese „Ordnung“ wirklich in Bedrängnis zu bringen, hätte es eine Koordination zwischen den verschiedenen Kämpfen der beteiligten Bevölkerungsgruppen gebraucht. Da sich zudem die bürokratischen Gewerkschaften und die einflussreiche, aber sehr reformistische Kommunistische Partei Griechenlands für die Beruhigung der Lage eingesetzt hatten, konnten nie wirkliche Alternativen zum jetzigen System aufgezeigt werden.
Trotz allem war die Zeit der Proteste vergangenes Jahr eine kollektive Erfahrung für die griechische Gesellschaft, auf der neue Kämpfe aufgebaut werden können.
Antikapitalistische Neugruppierungen
Ein anderer Diskussionspunkt waren die Versuche in diversen Ländern, neue antikapitalistische Bewegungen aufzubauen. Die derzeit wichtigsten in Europa sind wohl das Bündnis Bloco de Esquerda in Portugal, das bei den Europawahlen 10.7% der Stimmen erhielt und die Neue Antikapitalistische Partei in Frankreich (4.9%). Es fanden immer wieder Debatten statt, ob der Trotzkismus als marxistische Methode noch aktuell ist und ob man seine antibürokratische und internationalistische Praxis als Grundlage benutzen soll, um sich breiter um den Banner des Antikapitalismus zu sammeln.
Auch die IV. Internationale versucht sich diesen neuen Bewegungen zu öffnen und lädt zu ihrem Weltkongress anfangs 2010 erstmals mehr Organisationen ein, die nicht Mitglied der IV. sind, als solche, die es sind.
„Networking“
Für viele Camp-Teilnehmer ist das Austauschen von Erfahrungen und das Kennenlernen anderer AktivistInnen etwas vom Wichtigsten in dieser Woche. Dieses Jahr hat z.B. eine osteuropäische Delegation teilgenommen. Sie erzählte einerseits davon, wie hart die Wirtschaftskrise die Lohnabhängigen ihrer Länder treffe, andererseits, wie stark die Repression denen gegenüber sei, die sich dagegen wehren.
Erfreulich ist auch, dass StudentInnen aus verschiedenen Ländern, die sich im Camp täglich trafen, eine Plattform aufbauen werden, um Erfahrungen im Kampf gegen die Bolognareform und die Ökonomisierung der Bildung auszutauschen. Weiter wurde diskutiert, wie sich die AktivistInnen gegen den im Dezember 2009 stattfindenden Weltklimagipfel in Kopenhagen engagieren können. Bei diesem Gipfel geht es um die Erweiterung des Kiotoprotokolls. Wie jede/r weiss, wird dieser Anlass eine reine Farce sein und den Herrschenden die Möglichkeit bieten, sich eine grüne Weste anzuziehen.
Die fortschreitende Prekarisierung der Lohnabhängigen, die neuen Bewegungen innerhalb der Linken, die StudentInnenbewegung und der Kampf gegen den Klimawandel werden u.a. wieder Themen des nächsten Camps sein, das voraussichtlich in Perugia (Italien) stattfinden wird.
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Aufruf zum Camp 2009 in Griechenland
Die Revolution macht keine Ferien
Seit 26 Jahren ist das Sommercamp der Jugend der IV. Internationale eine einzigartige Möglichkeit für AktivistInnen der antikapitalistischen Bewegung aus den verschiedensten Ländern, gemeinsam zu diskutieren, sich auszutauschen, aber auch zu feiern.
Vom 25. bis zum 31. Juli werden hunderte Jugendliche aus ganz Europa zwischen Schweden und dem Spanischen Staat und zwischen Portugal und Russland, aber auch von anderen Kontinenten wie Lateinamerika oder Asien, in Griechenland zusammenkommen.Während des Camps können Freundschaften geknüpft, das Camp in Selbstverwaltung organisiert, sowie die verschiedensten Themen betreffend unserer heutigen Gesellschaft und einer zukünftigen sozialistischen Welt diskutiert werden. Hier ist es möglich, eine Woche lang Debatten zu führen, um Probleme der politischen Theorie, über praktische Erfahrungen aus den sozialen Kämpfen und zur Entwicklung unseres Widerstands gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Das Camp ist ein einzigartiger Ort unsere Ideen und Ansichten mit Menschen aus über 15 Nationen auszutauschen. Es ist ein Ort wo all die Erfahrungen zusammenlaufen, die revolutionäre Jugendliche in den verschiedenen Teilen der Erde in der letzten Zeit gesammelt haben. Gelebter Internationalismus und die Orientierung auf den gemeinsamen Kampf für eine bessere Welt werden das Ziel des Camps sein.
Mehr als 80 Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden finden während der Woche statt. Die entscheidenden Fragen der heutigen Gesellschaft werden Thema sein: Krieg, Rassismus, Klimawandel, Rechte der Lohnabhängigen, Feminismus, Sexualität, soziale Kämpfe der Jugend, kapitalistische Globalisierung. Aber auch die globale Entwicklung mit dem Fokus auf den Nahen Osten, Lateinamerika und dem globalen Süden wird nicht zu kurz kommen. Zahlreiche Diskussionen werden sich auch mit der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung befassen, sowie die theoretischen Fragen des Internationalismus, des Antikapitalismus und der revolutionären Strategie problematisieren.
Doch wird in der Woche nicht nur diskutiert. Die Location, in der das Sommercamp stattfindet, ist in der Nähe der Stadt Ioannina, landschaftlich sehr schön gelegen mitten in einem Naturschutzgebiet. Die von vielen kleinen Dörfern durchzogene Landschaft rund um das Camp lädt zu ausgiebigen Wanderungen ein. Ein kleiner Fluss direkt am Campplatz bietet zudem die Möglichkeit sich von der Sonne oder auch von der ein oder anderen hitzigen Diskussion abzukühlen. Den Abend kann mensch dann ruhig an der selbstorganisierten Bar ausklingen lassen, oder in der Camp-Disko das Tanzbein schwingen.
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Bericht vom internationalen Vorbereitungstreffen in Amsterdam
Über die Osterfeiertage haben sich Jugendliche der IV. Internationale aus ganz Europa im International Institute for Research and Education in Amsterdam getroffen, um das diesjährige Sommercamp in Griechenland vorzubereiten.
Die Vorbereitungen für das Camp der Jugendlichen der IV. Internationale laufen auf Hochtouren. Die GenossInnen von OKDE-Spartakos, der griechischen Sektion der IV. Internationale, und von Kokkino, einer mit der IV. sympathisierenden Organisation, stellten in Amsterdam den bisherigen Stand ihrer Vorbereitung dar. Das diesmal eine nicht der IV. angehörende Organisation mit zum Vorbereitungskreis des Camps gehört, ist ein Novum in der Geschichte des Camps. Die griechische Sektion möchte damit die Zusammenarbeit der antikapitalistischen Kräfte im Land stärken.
Das Camp wird vom 25.-31. Juli 60 km von der griechischen Hafenstadt Igoumenitsa entfernt stattfinden. In diesem Jahr werden wir nicht auf einem normalen Campingplatz zelten, wie in den Jahren zuvor, sondern „im freien Feld“, mitten in einem Naturschutzgebiet. In den kommenden Wochen und Monaten wird es für die griechischen GenossInnen daher noch viel Arbeit geben: Sämtliche Infrastruktur für das Camp, wie z. B. die sanitären Anlagen, muss neu errichtet werden. Lediglich ein Strom- und ein Wasseranschluss sind dort bisher vorhanden. Ein Bach, in dem wir schwimmen und uns etwas abkühlen können, befindet sich am Rande des Camps. Landschaftlich ist der Platz sehr schön in einem Waldgebiet gelegen, sodass auch ein wenig Schatten vorhanden sein wird. Ansonsten wird es sehr heiß werden, auch wenn diese Gegend die „kälteste“ in Griechenland ist.
Was die Anreise betrifft, planen die meisten GenossInnen aus dem Norden Europas, so auch aus Deutschland, mit dem Interrail-Ticket der Bahn anzureisen. Dies ist die günstigste und umweltfreundlichste Art, nach Griechenland zu kommen. Ab Venedig geht es dann mit der Fähre nach Igoumenitsa.
Mobilisierung
Bisher haben sich schon aus zahlreichen Ländern Delegationen angemeldet. Aus Griechenland wird natürlich ein Großteil der CampteilnehmerInnen kommen, doch auch aus Frankreich, wo die neu gegründete NPA für das Sommercamp mobilisiert, werden weit über 100 GenossInnen erwartet. Aus den anderen südeuropäischen Ländern, wie dem Spanischen Staat, Italien und Portugal kommen weitere große Delegationen.
Dadurch, dass das diesjährige Camp der IV. Internationale in Griechenland stattfindet, wird es erstmals seit Jahren wieder möglich sein, auch größere Gruppen von TeilnehmerInnen aus dem Balkan, der Türkei und Osteuropa begrüßen zu können. Insgesamt werden über 400 junge Menschen aus über 20 Ländern am Camp teilnehmen.
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