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Von Sao Paulo bis nach Istanbul, von Athen nach Kairo – Von der Revolte zur Revolution. Das Sommercamp 2013 in Griechenland

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31. März 2026

Von Sao Paulo bis nach Istanbul, von Athen nach Kairo – Von der Revolte zur Revolution. Das Sommercamp 2013 in Griechenland

Vom 3. bis zum 9. August 2013 fand das 30. internationale antikapitalistische Sommercamp der IV. Internationale statt. Wir dokumentieren hier einen leicht gekürzten Artikel, der von der us-amerikanischen Gruppe Socialist Action geschrieben wurde und nun in deutscher Sprache vorliegt.

Von Daniel Adam und Lisa Luinenburg

Vom 3. bis zum 9. August fanden sich rund 400 junge RevolutionärInnen aus der ganzen Welt in Griechenland ein, um am 30. Jugendcamp der IV. Internationale teilzunehmen. Die AutorInnen dieses Artikels, Mitglieder von Socialist Action (USA), hatten die Möglichkeit in diesem Jahr am Camp teilzunehmen, ihre Erfahrungen aus den USA dort einzubringen und von anderen jungen SozialistInnen zu lernen.

Socialist Action ist eine mit der IV. Internationale sympathisierende Organisation. Die reaktionäre Gesetzgebung der USA verhindert eine formale Mitgliedschaft.

Das Treffen findet nach Jahren der weltweiten ökonomischen Krise und einer Serie von Massenaufständen rund um den Globus, vor allem in Griechenland, statt. Dieser Kontext machte das Camp zu einem passendem Ort für weitreichende politische Diskussionen. Die zentralen Debatten im Camp drehten sich um die politische Richtung der IV. Internationale und ihrer Mitgliedsorganisationen.

TeilnehmerInnen aus jedem Land berichteten von Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen, sowie von Angriffen auf LehrerInnen und SchülerInnen bzw. Studis. Die Jugendarbeitslosigkeit erreicht manchmal über 50%. In Dänemark wurden 70.000 LehrerInnen ausgesperrt. In Griechenland streiken seit Kurzem die LehrerInnen. SchülerInnen und Studis in Dänemark, Kanada, spanischen Staat, Großbritannien und Mexiko kämpfen gegen Kürzungen im Bildungswesen und Unterrichtsausfall. Außerdem diskutierten die TeilnehmerInnen immer wieder über die Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen. Auffallend war auch der Anstieg der politischen Repression und der Überwachung in einer Anzahl von Ländern.

Zeitgleich, so berichteten junge TeilnehmerInnen, haben sich die Gewerkschaftsführungen in den meisten Ländern als unfähig erwiesen dem etwas entgegen zu halten. SozialdemokratInnen und andere ReformistInnen haben in vielen Ländern Regierungsverantwortung übernommen und führen die Austeritätspolitik und die Angriffe auf die Lohnabhängigen weiter.

Die spontanen Proteste, die Kämpfe der Lohnabhängigen und der Studis und selbst Generalstreiks – die sich in Ländern wie Griechenland, Tunesien, Brasilien, und der Türkei entfaltet haben – konnten bis jetzt das Nichtvorhandensein einer revolutionären Führung nicht überwinden. Häufig haben sich diese Bewegungen daher nach einigen Monaten zerstreut. Einige politische Bewegungen sind jetzt ernsthaft bedroht.

In Griechenland greift die „Goldene Morgenröte“, eine faschistische Partei, gezielt ImmigrantInnen und andere unterdrückte Bevölkerungsgruppen mit gewalttätigen Angriffen und rassistischer Propaganda an. Allen Berichten zur Folge wird die Gruppe dabei von der Polizei unterstützt. In Tunesien wurden zwei FührerInnen der Opposition ermordet. Darunter war der Vorsitzende des Bündnisses, welches von der IV. Internationale unterstützt wird. Selbst in Deutschland, wo die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf einem wesentlich niedrigeren Level stattfinden, – so berichteten TeilnehmerInnen von dort – wurden über 150 Menschen von FaschistInnen umgebracht, zum Teil MigrantInnen und Farbige (189 Menschen seit 1990, a.d.Ü.).

Dennoch sollten die CampteilnehmerInnen die aktuelle Stärke der „Goldenen Morgenröte“ nicht überschätzen, sagten Mitglieder der griechischen Sektion. Deren neues sozialistisches Büro z.B. befindet sich in einem von Linken kontrollierten Viertel. Die FaschistInnen setzen dort niemals ihren Fuß hin und auch die Polizei traut sich nur mit bewaffneten Großaufgeboten hinein.

Zwei junge Frauen aus der Türkei beschrieben ihre Arbeit im Rahmen der aktuellen Aufstände rund um den Taksim-Platz in Istanbul. Sie erläuterten die Verfolgung, der viele linke Gruppen in den 80er Jahren ausgesetzt waren und die Chancen im Rahmen der aktuellen Proteste wieder zusammen zu arbeiten. Trotz der wochenlangen Proteste glauben sie, dass es noch viel Arbeit sein wird, die unterschiedlichen Gruppen der türkischen Linken zu vereinigen.

Eine junge Sozialistin aus Irland sprach über die Auseinandersetzung über das Recht auf Abtreibung in ihrem Land. Sie beschieb, wie ihre Gruppe von AbtreibungsbefürworterInnen half die aktuelle Geschichte von Savita Halappanavar zu veröffentlichen. Die in Galway lebende Zahnärztin starb an einer Fehlgeburt, nachdem ihr eine Abtreibung verweigert wurde. Ihr Tod führte zu Protesten von Tausenden in Irland und rief einen internationalen Aufschrei hervor.

Die mexikanische Delegation der PRT (Partido Revolucionario de los Trabajadores1) arbeitet in der SME (Sindicato de Electristas Mexicanos, oder Mexikanische Gewerkschaft der Elektrizitäts-ArbeiterInnen) um am Aufbau einer alternativen ArbeiterInnenpartei mitzuhelfen. Unglücklicherweise unterstützte die Führung der neuen Partei bei der letzten Wahl einen bürgerlichen Kandidaten, Andres Manuel Lopez Obrador. Die SME ist eine der kämpferischsten Gewerkschaften Mexikos. Um die mexikanische Stromversorgung zu privatisieren wurden vor einigen Jahren etwa 44.000 ArbeiterInnen gefeuert. 16.000 von diesen ArbeiterInnen kämpfen bis heute. Die jungen GenossInnen waren auch aktiv in „YoSoy132“ der aktuellen Bewegung der Studierenden.

Nach Aussage von langjährigen TeilnehmerInnen drehten sich die Diskussionen auf diesem Camp wesentlich häufiger um die politische Linie der IV.Internationale, als in den vorangegangenen Jahren. Der schärfste Ausdruck dieser Debatte zeigte sich in der Einschätzung der Richtung der NPA (Neue Antikapitalistische Partei) in Frankreich.

Die NPA wurde 2009 von der LCR (Revolutionär-Kommunistische Liga, der ehemaligen französischen Sektion der IV. Internationale) unter Einbeziehung ihres Umfeldes und einiger wesentlich kleinerer Gruppierungen gegründet, um eine wesentlich heterogenere Gruppe aufzubauen. Die Umgruppierung wurde begonnen, um eine breitere linke Partei zu bilden und den politischen Raum zu füllen, den die Sozialdemokratie verloren hatte, als diese Austeritätsprogramme zugunsten der kapitalistischen Klasse durchsetzte.

Die NPA wurde mit über 9.000 Mitgliedern gegründet – 6.000 mehr als ihre Vorläuferin, die LCR. Bis Heute ist aber die Mitgliederzahl wieder auf 3.000 oder weniger gesunken. Die Verluste beinhalten u.a. eine Abspaltung von ungefähr 700 Menschen, die sich der reformistischen Linksfront von Jean-Luc Melanchon anschlossen. Unter ihnen befanden sich viele junge treibende Kräfte der NPA und viele ihrer FunktionärInnen.

(…)

In der Debatte um die NPA werden brennende Fragen aufgeworfen, mit denen fast alle Sektionen heute konfrontiert sind. In vielen Ländern gibt es mehr als eine mit der IV. Internationale verbundene Gruppe. Jede dieser Gruppen hat einen anderen Ansatz, was den Organisationsaufbau sowie die Strategie gegenüber Wahlen angeht und selbst in Bezug auf die Konzepte von Revolution und Reform. So spaltete sich z.B. die Sektion der IV. Internationale in Italien in zwei Hälften. Der eine Teil lehnt Parteien insgesamt ab, und spricht sich möglicherweise selbst gegen Gewerkschaften aus.

Viele Sektionen haben mit an der NPA angelehnten Projekten experimentiert, sind in reformistische Parteien gegangen, oder in Wahlbündnisse. Für reichlich viele von ihnen hat dies ernsthafte Fehlentscheidungen und Betrug nach sich gezogen, wie z.B. Abstimmungen für Austeritätsprogramme (im portugiesischen Parlament; A.d.Ü.), für imperialistische Kriegskredite (im dänischen Parlament; A.d.Ü.), und oft das Verschwinden der Sektion der IV. Internationale von der Bildfläche (Brasilien, Frankreich; A.d.Ü.). Es ist allerdings ermutigend, dass viele von diesen Wendungen immer stärker hinterfragt werden.

Nichtsdestotrotz, in einer Zeit, in der massive gesellschaftliche Umbrüche zur Norm werden, bleibt die Frage: Wie kommen RevolutionärInnen in den Kontakt mit den sich radikalisierenden Massen? Die bewusste Übernahme der Macht durch die Millionen Lohnabhängigen setzt eine revolutionären Massenpartei voraus. Gewiss, die Frage nach Bündnissen oder nach Eintritt in andere Gruppen ist nach wie vor für niemandem vom Tisch. Der entscheidende Punkt dabei ist aber die politische Orientierung, die von solchen Projekten ausgeht.

Der Frauenfreiraum (women-space) und die Debatte über den Feminismus waren Highlights auf dem Camp. Jeden Tag gab es einen solchen Freiraum, wo junge weibliche TeilnehmerInnen des Camps sich trafen, um Themen zu diskutieren, die sie als Frauen und als MarxistInnen betrafen. Frauen und LGBT-Menschen organisierten Workshops und nahmen an Podiumsdiskussionen in der ganzen Woche teil. Sie hatten viel Raum, um ihre Sichtweise zu allen Fragen zu erläutern.

Die zahlreichen Perspektiven und Erfahrungen, die die TeilnehmerInnen austauschten, waren von unschätzbarem Wert. Dieses Treffen verdeutlichte den TeilnehmerInnen was es heißt, eine internationale Partei der ArbeiterInnen aufzubauen.

  1. Deutsch: Revolutionäre Partei der ArbeiterInnen ↩︎

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